Windelfrei Erfahrungsbericht von Fee Ronja: "Windelfrei ist nicht ein Weg - jedes Kind, jede Familie ist anders", auf Windelfreibaby, (c) Fee Ronja Schineis-Brönner

Fee Ronja: „Windelfrei ist nicht ein Weg – jedes Kind, jede Familie ist anders“

Fee Ronja hat zwei Töchter, fünf und zwei Jahre alt, und mit beiden sehr unterschiedliche Erfahrungen mit Windelfrei gemacht. Auch durch ihre Arbeit als Elternbegleiterin weiß Fee Ronja, dass Windelfrei viele Gesichter haben kann. Von ihrem persönlichen Weg mit zwei Windelfreikindern und davon, was helfen kann, wenn es mal nicht so läuft wie geplant, erzählt sie hier.

„Ich wusste sofort, dass ich das unbedingt ausprobieren muss“

„Ich weiß nicht mehr genau, wo ich das erste Mal etwas über Windelfrei gelesen habe, es war auf jeden Fall in der Schwangerschaft der Großen und ich wusste sofort, dass ich das unbedingt ausprobieren muss. Und so war es dann auch. Die erste Woche war ich noch mit anderen Dingen zu sehr gefordert, so startete ich mit ihr in der zweiten Woche. Ich hielt sie bei jedem Stillen ab, dazwischen nutzten wir vorerst noch Wegwerfwindeln. Mit einem Monat sattelten wir auf Stoffwindeln als Back-up um. Ich war wirklich erstaunt, wie gut das klappte (vor allem unterwegs im Tragetuch). Mit zwölf Wochen war ich dann auf einem Windelfrei Workshop bei Liane Emmersberger, der mir dabei half, alles etwas lockerer zu nehmen. Zudem ging ich ab da regelmäßig zu einem Windelfrei Treffen. Der Austausch tat gut. Unser Windelfrei Alltag sah so aus, dass ich versuchte, soweit möglich, jede Ausscheidung abzuhalten und beim großen Geschäft klappte das auch die ganze Windelfreizeit mit ganz wenigen Ausnahmen immer (und das, obwohl sie die ersten sechs Monate zehnmal täglich musste). Bei Pipi hatten wir sehr viele nasse Windeln, aber auch viele gefüllte Töpfchen. Wir hatten Phasen, da ging bis auf Stuhlgang fast gar nichts und dann ganz plötzlich war sie mit 17 Monaten Tag und Nacht zuverlässig trocken. Dank dem Wort Pipi, dass sie ab da konnte, sagte sie immer Bescheid und wartete, bis jemand mit ihr aufs Klo ging. Es war wirklich Wahnsinn, denn genau davor war es gerade sehr schwierig mit dem Abhalten.

(c) Fee Ronja Schineis-Brönner
(c) Fee Ronja Schineis-Brönner

„Dieses Mal wollte ich mir keinen Druck machen“

Bei meiner zweiten Tochter verlief einiges anders und doch gibt es Parallelen. Dank meiner Ausbildungen, die ich in der Zwischenzeit gemacht hatte (u.a. zum Artgerecht Coach) war ich, was Windelfrei anging, tiefenentspannt. Dieses Mal wollte ich mir keinen Druck machen und es so nehmen, wie es kommt. Von Anfang an top ausgestattet mit tollen Stoffwindeln und Windelfrei Equipment ging einiges auch echt ein bisschen einfacher (auch wenn man wirklich nicht viel braucht). Direkt nach der Geburt habe ich abgehalten und sie hat es sehr gut angenommen. Wir hatten zum Teil fast trockene Tage. Die ersten neuen Monate waren wirklich eine kleine Windelfrei „Traumreise“ bis dann die Autonomie ihren eigenen Weg ging und sie wollte bis auf wenige Ausnahmen weder auf die Toilette noch aufs Töpfchen oder sonst wie. Keine kreativen Tricks halfen. Somit öffnete sich ein weiteres Kapitel der Tiefenentspannung für mich ;). Dank unser tollen Windelfrei- bzw. Abhaltewindeln und -hosen konnte ich ohne viel Störfaktor die Einlage nach jedem Pipi wechseln und somit das Gefühl und die Verbindung von Ausscheidung und Nasssein weiter unterstützen. Das große Geschäft war da schon eher eine Herausforderung für mich, weil es mich auch irgendwie traurig machte, dass sie in die Windel machte, obwohl sie es ja auch anders machen durfte. Sie hatte nur alle paar Tage Stuhlgang, somit war es trotzdem kein Riesenthema oder Aufwand. Ich nahm es so, wie es war und ich durfte wieder einiges lernen. Darüber, dass jedes Kind wirklich anders ist und es immer gut so ist, wenn Kommunikation und Bindung dabei an erster Stelle stehen. Mein Motto „alles kann, nichts muss“ half mir dabei. Der Spuck des Nichtabhaltenlassens war nach neun Monaten,  also im Alter von 18 Monaten, abrupt vorbei und sie ging nun sehr gerne selbst aufs Töpfchen, zumindest fürs Pipi. Sie trug zu Hause hauptsächlich Kaidankus, damit sie selbständig auf den Topf gehen konnte. Und so wurde sie dann zuverlässig mit 21 Monaten trocken. Und auch nachts folgte kurz danach. Mein Resümee aus vielen Beratungen und meinen zwei Windelfreikindern ist: Windelfrei ist nicht ein Weg. Jedes Kind, jede Familie ist anders.

(c) Fee Ronja Schineis-Brönner
(c) Fee Ronja Schineis-Brönner

„Wenn es nicht klappt, die Erwartungen fallen lassen“

Jedes Kind erfährt andere Umstände, Vorkommnisse und Erlebnisse, die Umwelt jeder Familie ist anders. Dies und auch zum Großteil der Charakter, das Temperament des Kindes. Ich habe lernen und erfahren dürfen, dass Windelfrei immer wertvoll ist, wenn es aus bindungsorientiertem und kommunikativen Bausteinen besteht. Man hat einfach nicht auf alles Einfluss und ja, es gibt einige Windelfreimotivierte Familien, wo es nicht so läuft, wie sie es erwartet haben. Daher erst einmal Erwartungen fallen lassen und evtl. andere Wege gehen. Ein Spiel daraus machen, ausprobieren und es interessant gestalten, es nicht unter den Teppich kehren und auch ganz wichtig den Entwicklungsstand und die Autonomie mitbeachten und einbinden. Und Erfahrungsgemäß sind Kinder, die mit Ausscheidungskommunikation und bewusstem Umgang damit aufwachsen durchaus im Schnitt früher trocken, aber wann das bei jedem Kind ist, ist sehr individuell. Man sollte aber sich nicht ausruhen oder abwarten, in dem man nichts tut, sondern immer aktiv dran bleiben, im Kontakt und darüber kommunizieren. Vielen hilft, aktiv die Windel wegzulassen und zu erklären, wie die Kloabläufe sind. Töpfchen aussuchen, Klodeckel lustig gestalten und Ausscheidungssort selbst aussuchen lassen usw. Da muss man kein Riesending daraus machen, es geht ja um etwas Alltägliches, aber durchaus dran bleiben. Nur eben ohne Stress, Erwartung und Druck – am besten als Beschäftigungsidee für jeden Tag sehen. Es in „schwierigeren“ Phasen nicht als scheitern sehen, sondern neugierig bleiben, wie es sich weiter entwickelt. Trocken werden sie oft völlig unerwartet und plötzlich.“

(c) Fee Ronja Schineis-Brönner
(c) Fee Ronja Schineis-Brönner

Wer schreibt hier?

Fee Ronja Schineis-Brönner hat ihre beiden Leidenschaften, die Fotografie und  Elternbegleitung, zum Beruf gemacht. Du bist neugierig und möchtest mehr über Fee Ronja wissen? Dann besuche ihre Seite www.ronja-wolfstochter.de oder durchstöbere ihr Profil auf Instagram und Facebook. Übrigens findest du Fee Ronja auch hier als Windelfrei Coach.

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