Der berüchtigte Abhaltestreik: Was tun, wenn Windelfrei verweigert wird?

In diesem Artikel sehen wir uns den berüchtigten „Abhaltestreik“ einmal genauer an. Wir klären, was er ist, aus welchen Gründen das Baby dein Abhalteangebot ablehnen könnte, welche verschiedenen Typen es gibt und warum nicht jedes verweigerte Abhalten gleich ein „Abhaltestreik“ ist.

Alles zum berüchtigten „Abhaltestreik“ und warum er gar kein Streik ist


Gleich zu Beginn: Er kann kommen, muss es aber nicht. Und nicht jedes verweigerte Abhalteangebot ist auch ein „Abhaltestreik“. Aber erst einmal von Anfang an.

An diesen 6 Punkten erkennst du einen möglichen „Abhaltestreik“

  • Wenn du dein Baby fragst, ob es abgehalten werden will, dreht es sich weg, weint oder zeigt anders, dass es das nicht möchte
  • Obwohl es dein Abhalteangebot verweigert, scheidet es kurz darauf aus, in die Hose, die Windel, auf den Boden…
  • Während dem Abhalten ist es unruhig, streckt sich durch, macht sich steif, und oder weint
  • Es möchte den Abhaltevorgang schnell abbrechen, obwohl es noch nicht fertig ist
  • Die Abhaltebedingungen sind optimal und dennoch möchte dein Kind nicht abgehalten werden
  • Dein Baby lässt sich schon mehr als ein paar Tage nicht mehr freiwillig abhalten
Wenn dein Kind nicht mehr abgehalten werden will: 7 Tipps, was du im Windelfrei Streik tun kannst, auf Windelfreibaby

Es gibt 2 Arten von „Abhaltestreiks“

Grundsätzlich kann man zwischen zwei verschiedenen Typen von „Abhaltestreiks“ unterscheiden.

Es gibt zum einen den kleinen „Abhaltestreik“, wenn das Baby zum ersten Mal mobiler wird, also mit dem Robben oder Krabbeln beginnt, sich die ersten Male auf Entdeckungstour macht. Auch wenn der Stuhl fester wird (Beikosteinführung) kann das Abhalten verweigert werden. In diesem Alter, meist um den sechsten Lebensmonat herum, reicht es oft schon aus, den Abhalteort, die -position oder das -gefäß zu wechseln. Und auch ein kleines Beschäftigungsangebot wird dann gerne angenommen: Ein Babylöffel, die Cremedose oder ein kleines Spielauto genügen oft schon (wichtig: Immer wieder austauschen, damit es spannend bleibt!). Eine neue Aussicht und etwas in der Hand bewirken hier wahre Wunder.

Zum anderen gibt es noch den größeren „Abhaltestreik“. Dieser beginnt meist um den ersten Geburtstag herum. Das Kind lernt gerade vielleicht zu laufen, ist extrem mobil und neugierig. Und es steht absolut für seinen Wünsche und Bedürfnisse ein! Wie wunderbar und dennoch macht es das für uns nicht leichter 😉

Was der „Abhaltestreik“ wirklich ist: Mehr Hilferuf als Streik

Der „Abhaltestreik“ ist aber dennoch kein richtiger Streik, sondern viel mehr eine Art Hilferuf, dass es gerade in Sachen Ausscheidungskommunikation nicht richtig läuft – jedenfalls nicht aus Sicht des Babys. Es streikt also nicht, testet schon gar nicht unsere Grenzen, sondern es zeigt sein Missfallen mit seiner Körpersprache. Man spricht von einem echten „Abhaltestreik“, wenn das Abhalten vehement, mehr oder weniger durchgängig und über einen längeren Zeitraum verweigert wird (ein „Abhaltestreik“ kann leider auch über mehrere Wochen und sogar Monate gehen, wenn er nicht richtig begleitet wird). Und wie sieht so etwas aus? Das Baby weint, streckt sich durch, möchte weg und dennoch scheidet es kurz daraufhin in die Windel/Hose/Boden aus. Und dennoch will es nicht abgehalten werden, auch nicht das nächste Mal. Dieses Verhalten zeigt es häufig auch im Bezug auf das Tragen oder Wechseln der Windel. Diese Situationen sind nicht nur für uns, sondern auch für unser Kind extrem stressig und unangenehm. Leider denken viele, dass es nur eine Phase sei und man diese geduldig abwarten müsse. Doch viel mehr sollte man aktiv etwas tun. Nämlich die aktuelle Windelfrei Routine verändern. Denn meist wird das Baby noch so abgehalten, wie auch noch vor einigen Monaten. Dabei hat es sich längst weiterentwickelt, diverse Wachstumsschübe und Entwicklungssprünge hinter sich. Es entdeckt immer mehr die Welt, hat neue Perspektiven und kommt nun schon an Dinge heran, die es früher nur bewundern konnte. Und unser Kind lernt seine Bedürfnisse zu spüren und für sich einzustehen. Vor allem Babys mit einem festen Charakter (früher nannte man sie „Sturköpfe“ 😉 ) neigen dazu, Abhalteangebote derart vehement auszuschlagen. Eine große Rolle spielt dabei übrigens die Autonomiephase. Doch genau diese können wir auch für uns nutzen: Wir können unser Kind so viel wie möglich selbst machen lassen, damit es wieder Spaß daran findet und mit Freude dabei ist (denn Druck und Strafen – das wissen wir – funktionieren nicht, sondern sind definitiv schädlich).

Wichtig: Dein Handeln ist gefragt – werde aktiv!


Was sollten wir also konkret tun, wenn Abhalteangebote von heute auf morgen konsequent verweigert werden? Zunächst einmal in Kommunikation miteinander gehen bzw. bleiben. Frag dein Kind (mit einfachen Ja oder Nein Fragen), was es möchte. Bleibe trotz aller Widrigkeiten ruhig und empathisch. Nicht immer wissen wir, was in unserem Kind gerade vorgeht. Ein neuer Zahn? Der nächste Entwicklungssprung? Wächst es gerade oder wird es bald krank? Verarbeitet es neue Eindrücke und Erlebnisse? Die gute Nachricht ist: Wir müssen es auch gar nicht. Und dennoch können wir konkret etwas tun, damit wir aus dieser Abwärtsspirale wieder herauskommen können. Natürlich sind alle „Abhaltestreiks“ individuell und haben verschiedene Hintergründe und Ursachen. Wenn wir nicht weiterwissen, empfiehlt sich auch immer eine Windelfrei Beratung, in der der Fokus genau auf eure Situation gelegt werden kann. Grundsätzlich empfiehlt es sich gerade beim späteren „Abhaltestreik“ die Windelfrei Routine an das Kind und seine Bedürfnisse anzupassen und dies bedeutet meistens den nächsten Schritt zu gehen: Richtung Toilette. Es macht einen immensen Unterschied, ob das Baby passiv abgehalten wird oder aktiv „selbst“ gehen kann. Natürlich kann ein Baby nicht alleine auf die Toilette gehen, darum geht es auch gar nicht. Es kann aber mit Unterstützung die Toilette z.B. erklimmen. Dafür braucht es selbstverständlich den richtigen Toilettensitz (Sicherheit hat hier absolute Priorität – sichere dein Kind immer und lass es dabei nicht aus den Augen). Zu einer neuen Windelfrei Routine gehören auch angepasste Abhaltebedingungen. Also eine kindgerechte Umgebung, ein angenehmer und interessanter Ort und die richtige Beschäftigung, damit es nicht allzu langweilig währenddessen wird. All das und viele weitere Impulse habe ich in meinem Windelfrei Video Kurs „Vom Windelfreibaby zum selbstbewussten Toilettengänger!“ für euch zusammengefasst. Der Kurs ist absolut flexibel ansehbar und alle wichtigen Infos erhaltet ihr als Kursunterlagen auch noch einmal dazu. Alle Infos zu meinen Angeboten findest du hier.

Ein abgelehntes Abhalteangebot ist noch lange kein „Abhaltestreik“


Zum Abschluss möchte ich noch kurz erklären, was alles kein „Abhaltestreik“ ist. Denn im Laufe eines Windelfrei Weges kommt es häufiger zu Situationen, in denen das Abhalteangebot vom Kind abgelehnt werden kann. Nicht jedes verweigerte Abhalten bedeutet gleich einen „Abhaltestreik“. Unsere Kinder kommunizieren mit uns viel über ihre Körpersprache. Wir können schon früh lernen zu erkennen, was sie möchten und was nicht (z.B. wenn sie sich wegdrehen, den Blickkontakt mit uns abbrechen, sich steif machen oder vom Abhaltetöpfchen wegdrehen). Auch hier können die Gründe, warum unser Baby gerade nicht abgehalten werden will, vielfältig und absolut individuell sein. Vielleicht muss es gerade einfach nicht. Oder wir sind im Moment die falsche Person. In diesem Fall dürfen wir entspannt bleiben: Manchmal muss es Papa oder eben Mama sein, die gerade alleine abhalten dürfen. Dann müssen wir das als abgelehnte Person nicht erzwingen, sondern einfach wann anders noch einmal probieren. Im besten Fall in einer Standardabhaltesituation, die eine besonders hohe Erfolgsquote bietet, wie z.B. direkt nach dem Schlafen. Ein kleines Spielzeug als Bestechung darf es dabei dann auch sein 🙂 Auch hier hilft es, nicht dagegen anzukämpfen und sich durchzusetzen, sondern das Bedürfnis und den Wunsch des Kindes anzuerkennen und empathisch zu bleiben. Oft wird auch das Abhaltegefäß abgelehnt oder der Ort ist nicht mehr spannend genug. Manchmal steckt auch ein fehlender Töpfchenbezug hinter dem ablehnenden Verhalten (Achtung, Babyhaut mag keinen Kontakt mit kaltem Plastik!). Während sich dieses Problem schnell lösen lassen kann, kann man bei möglichen Entwicklungs- und Wachstumsprüngen nur geduldig warten. Und auch wenn gerade viel los ist in Babys Umgebung, kann es sein, dass das Abhalten gerade keine Prio hat. Das ist in Ordnung und löst sich meist nach kurzer Zeit wieder. Wenn nicht, überprüfen wir die Abhaltebedingungen, checken bei längerem Verweigern, ob es sich doch um einen „Abhaltestreik“ handeln könnte und suchen uns gegebenenfalls professionelle Unterstützung. Meistens aber reicht es auch schon, wenn wir darauf achten, ob wir selbst Stress, Hektik und Druck aussenden. Denn Babys haben die feinsten Antennen. Und dass es mal bessere und schlechtere Windelfrei Phasen gibt – das ist absolut normal und in Ordnung!


Ein kleiner Nachtrag: Wenn kleine Babys während dem Abhalten weinen


Wenn Neugeborene und kleinere Babys beim Abhalten weinen, heißt das übrigens nicht, dass sie unglücklich sind oder wir etwas falsch machen. Gerade Neugeborene benötigen anfangs das Weinen, um ausscheiden zu können. Das Weinen entspannt sie und sie können so loslassen. Wir können dies erkennen, wenn das Weinen direkt nach erfolgreichem Ausscheiden wieder aufhört. Andernfalls überprüfen wir die aktuellen Abhaltebedingungen und probieren es wann anders noch einmal.

Wenn dir dieser Artikel weitergeholfen hat und du den ein oder anderen Impuls daraus für euch mitnehmen konntest, dann freue ich mich sehr, wenn du mir einen Kommentar hier unten da lässt oder den Artikel mit deinen Freunden teilst, danke 🙂

3 Antworten zu „Der berüchtigte Abhaltestreik: Was tun, wenn Windelfrei verweigert wird?“

  1. Avatar von Larissa
    Larissa

    So wertvoll 💞

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    1. Avatar von Windelfreibaby

      Danke dir, liebe Larissa!

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